Rezensent:   Franz Szabo 

Gewöhnlich spendet man einem fototechnischen Buch höchstes Lob, wenn man es statt der mitgelieferten Bedienungsanleitung zum Kauf empfiehlt. Bei Steinhoffs Buch über das Scannen von Dias, Farb- und Schwarzweißnegativen muss man dieses Lob noch steigern und den Kauf des Buches schon vor dem Kauf eines Scanners dringend ans Herz legen. So kann es einerseits das ganze Geld für eine Fehlinvestition sparen helfen, wenn der Leser nach der Lektüre entscheidet, dass er diesen Aufwand für seine Dias und Negative lieber gar nicht leisten will. Oder viel Geld sparen helfen für einen falschen Hardwarekauf, so er den vollmundigen Versprechungen der Hersteller, was die Scanauflösung betrifft, zu viel Vertrauen geschenkt hätte. Zum Beispiel durch den Fehlkauf eines hochgepriesenen Flachbettscanners zum digitalisieren von Kleinbilddias. Wer hätte vor der Lektüre dieses Buches schon gewusst, dass die hardwaremäßige Staub- und Kratzerentfernung bei silberbasierten Schwarzweißnegativen – und das sind die meisten – überhaupt nicht funktioniert und der Anwender meist einen enormen Aufwand bei der Retusche mit dem Photoshop treiben muss, um diese Fehlstellen zu entfernen. Auf klaren Vergleichsbildern ist zu sehen, dass Dias glaslos gerahmt werden müssen, um optimale Schärfe zu gewährleisten, dass Kodachrome Dias mit dem Nikon Coolscan 5000 und der Einstellung »Kodachrome« gescannt die besten Farben liefern oder dass serienmäßige Nikon-Scanner bei SW-Negativen zu hart arbeiten und Kratzer viel zu sehr betonen.

Das vorliegende Buch fungiert quasi als Reiseleiter durch das weite und unbekannte Land des Scannens. Die ersten Kapitel liefern grundlegende Informationen zu analogem, hybriden und digitalen Workflow in der Fotografie, räumen mit Fehleinschätzungen zu Scanalternativen auf, wie Abfotografieren oder Abzüge statt Negative zu scannen, und diskutieren ausführlich die Leistungsmerkmale von Filmscannern. Dann geht es an das Auffinden der richtigen Scan-Schichtseite, das Staubentfernen, den Umgang mit welligem Material und das unterschiedliche Verhalten der diversen Filmtypen. Kapitel über wichtige Bildformate und Rohdaten, sowie die benötigte Bildgröße und -auflösung liefern das nötige Basiswissen für die zukünftige Arbeit, denn als “Arbeit” muss man qualitativ zufriedenstellendes Scannen auf jeden Fall bezeichnen. Ein weiteres Kapitel ist dem Farbmanagement mit der Erstellung von ICC-Profilen und dem Kalibrieren von Monitoren gewidmet. Nach den Scanmethoden – Indexscan, Prescan, Finescan und Mehrfachscan – folgt eine detaillierte Beschreibung der Scankorrektur-Verfahren, hardwareseitig, wie ICE und FARE, aber auch softwareseitig mit Nikon Scan, VueScan und SiverFast. Besonders wichtig ist, zu wissen, wie man seine Scansoftware konfiguriert, denn alles was sie automatisch erledigt, erspart später zeitaufwändige zusätzliche Bearbeitungschritte. So kann man bereits Farbbalance, Gradation und Schärfen in die Voreinstellungen einbeziehen, besonders wenn es sich um Fotos einer Reise handelt, die zu gleichem Zeitpunkt mit gleichem Material erstellt wurden.

Das Buch geht genau und ausführlich auf die Eigenschaften und Arbeitsabläufe mit den drei wichtigsten Scan-Programmen, Nikon Scan, VueScan und diversen SilverFast Varianten, ein. Der Autor redet immer Klartext und listet Vor- und Nachteile übersichtlich auf. So bietet Nikon Scan ein schwaches Farbmanagement und fehlende Filmprofile, aber umfangreiche und benutzerfreundliche Rohdatenverarbeitung. Das preiswerte VueScan von Ed Hamrick, einem ehemaligen NASA-Mitarbeiter, – es läuft als einziges der vorgestellten Programme auch unter Linux – unterstützt derzeit 500, auch ältere, Scannermodelle, während man bei Silverfast für jeden Scanner eine eigene – teure – Version kaufen muss, dafür bietet letzteres die meisten Bildbearbeitungsfunktionen. Da man beim Scannen um die Bearbeitung der entstandenen Rohdaten nicht herumkommt und meist noch eine Nachbearbeitung im Photoshop folgen muss, widmet Steinhoff auch diesem Arbeitsteil ausführliche Anleitungen. Neben der Arbeit mit dem Nikon Capture Editor vor allem dem Photoshop und speziellen Plug-ins. Diverse Varianten zur Entfernung von Staub und Kratzern, perspektivische Korrekturen und Optimierung der Tonwerte mit »Tiefen/Lichter...«. Applied Science Fiction – ehemals eine Kodak Division – liefert großartige Werkzeuge zur Verbesserung von Hautstrukturen für Portrait und Akt und zum Wiederherstellen ausgeblichener Farben. Unerlässliche Werkzeuge zum Entrauschen digitaler Fotos und zum Dämpfen der Kornstruktur analoger Fotos sind Noise Ninja und Neat Image. auch ihre Vor- und Nachteile diskutiert der Autor verlässlich.

Fazit: Wer mehr als durchschnittliche Aufsichtsvorlagen scannen möchte und “alte” Durchsichtsvorlagen besitzt, die ungenützt im Kasten aufbewahrt werden, kommt an diesem hervorragenden Buch nicht vorbei. Es hilft, die analogen Fotoschätze erfolgreich zu heben, für deren Erzeugung einst enormer Zeit- und Geldaufwand investiert wurde. Wenn man dann die gescannten Fotos mit einer Bilddatenbank wie iViewMedia Pro archiviert und benennt, wird ihre Nutzung zur hellen Freude.

Quelle: franzszabo.fastmail.fm, den Originaltext finden Sie hier.

 
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